500mm Jahresniederschlag, Niederschlagsvernichtung durch Drainierung

Die mittelfränkischen Gemeinden gehören zu den Gemeinden Bayerns mit einem hohen Versiegelungsgrad, Er liegt zwischen 45-60% (Link). Das dort anfallende Wasser wird nicht im Boden versickert, sondern bleibt ihm entzogen, weil es sofort über Gräben in den nächsten Bach/Fluss geleitet wird, statt es in der Nähe landwirtschaftlicher Fläche pflanzenverfügbar zu versickern. Es kommen also nicht mal die spärlichen 500mm Niederschlag insgesamt dem Boden zu Gute. In der landwirtschaftlichen Fläche geht die Verschwendung ungebremst weiter, denn jeder Acker entwässert jeden Tropfen Wasser, der nicht sofort im Boden versickert über ein weiträumig angelegtes Grabensystem ebenfalls unverzüglich in Bäche und Flüsse. Das heißt, durch unsere seltsame Angwohnheit, Wasser nicht versickern zu lassen, sondern sofort abzuführen, kommen nicht mal die mageren 500mm Niederschlag im Boden an.

Dadurch sinkt in Franken seit Jahren der Grundwasserstand. 

BR24 – Trockenheit spaltet Bayern

In einer Gegend, die 2018 nur 450mm Niederschlag hatte, in Mittelfranken also, Wasser abzuleiten, heißt, sie auf Dauer zu verwüsten! Statt Wasser abzuleiten, müssten wir Regenwasser ernten. In anderen Gegenden der Welt ist das den Leuten klar. Hier stößt man auf Unverständnis. Als ob Vertrocknen unausweichbar wäre. Ist es natürlich auch, wenn man das Wasser so drainiert wie es hier in Franken üblich ist. Aber, wenn man es zurückhält und IM BODEN speichert kann man das vermeintliche Schicksal selbst bestimmen.

Niederschlagswasser dem Boden zu erhalten kann dauerhaft zur Anhebung des Grundwasserspiegels führen. Wir müssten dazu nur aufhören, ständig unser Oberflächenwasser schnellst möglich in den nächsten Fluss zu spülen.  Aber wir überlegen lieber teure Bewässerungslösungen. Klar, solange der Diesel noch billig ist, kann man pumpen. Aber ist das sinnvoll? Und wieviel Wasser brauche ich, um ein Feld zu bewässern? Und zwar so, dass der Boden mindestens 200cm tief befeuchtet ist? 100e Kubikmeter für einmal Gießen eines Hektars! Warum sperren wir uns so gegen eine Anhebung des Grundwasserspiegels wie er früher, vor der Flurbereinigung war?

Intelligentes Wassermanagement – optimiert für niederschlagsarme Gebiete

-> Kurzfilm von Arte, Futuremag, Wassermanagementsysteme in der Permakultur: https://youtu.be/pewa5xa3UJU

-> Zum Vorstellen wie das in Wirklichkeit aussieht, hier ein kurzer Film von Andrew Millison, Permakulturdesigner, lehrt auch an der Oregon State University: 5 Most Epic Earth Healing Projects! : https://youtu.be/Tpozw1CAxmU

enthalten sind darin die bekannten Projekte wie die Restauration des Löss Plateau in China, der Water Cup in Maharaschtra, aber auch die Arvari River Restoration (Rajastan, Indien), Chikukwa in Simbabwe, Begrünung der Thar Wüste in Jodhpur

-> 2012, Bau der ersten zwei Wasserretentionsbecken „Monte da Paz“ im Süden Portugals: https://youtu.be/eDLuikHh_20   
Und hier ein Video von dem Zustand 5 Jahre später, bitte nochmal mit der Wüstenei vom ersten Video vergleichen. https://youtu.be/GNOZz2g3fD8   Sehr schön kann man hier die auf verschiedenen Ebenen angelegten Retentionsbecken sehen und den Effekt, den sie auf die Umgebung haben. Die verschiedenen Becken sind mit Gräben verbunden.

-> Wasser Retention in Tamera im Süden Portugals durch Sepp Holzer: https://youtu.be/2MJllVO3tLI  (nicht von dem etwas salbungsvollen Intro abschrecken lassen.)

> Wiederaufforstung auf La Palma mittels sogenannten Swales, auf deutsch Gräben oder Rigolen: https://youtu.be/EJ-9GzNuQxg      

Und auch Städte müssen ihren Grundwasserspiegel wieder anheben. Stadtbäume gießen? Völlig unrealistische Träumerei! Stadtbäume müssen sich aus dem gut mit Wasser versorgten Boden selbst versorgen können! Ein großer Baum braucht leicht einmal 200l – am Tag! Ein paar 1000 Stadtbäume hat jede Stadt, wie soll das funktionieren? Wieviele städtische Angestellte sollen täglich mit Gießen beschäftigt sein? Wieviele Gießfahrzeuge gibt es? Wo soll das Wasser herkommen? Wenn sowieso schon Wassersparen aufgrund von lang anhaltender Trockenheit angesagt ist? Warum nicht den logischen und vernünftigen Weg wählen und zumindest das Dachflächenwasser im Boden speichern? Gleiches gilt eigentlich auch für das Wasser von allen versiegelten Flächen, wie Park(!)plätzen, Straßen etc. Tatsache ist aber, dass nicht einmal das Wasser von Wegen und befestigten Flächen von Parkanlagen gezielt den dort gepflanzten Bäumen zugeführt wird.
-> Naturnahe Regenwasserbewirtschaftung für Städte: http://www.naturnahe-regenwasserbewirtschaftung.info/index.php?page=was_koennen_sie_tun

Untermichelbacher Weitblick – Wasserretentionsmaßnahmen

Ich habe mit Beratung des Permakulturdesigners Christian Skiba (https://permafructus.de) 2019 einen ersten Graben angelegt. Er ist weniger zum Auffangen des hangabwärts laufenden Regenwassers gedacht, wie es in hügeligeren Gelände gemacht wird, sondern soll mir das Überschusswasser aus dem über mir liegenden Acker zuleiten. Er verläuft an der nördlichen Grenze meines Geländes 150m lang, 30cm breit und mit einem Gefälle von 2% (sonst wird der Graben sehr tief auf die Länge) bis zum vorderen Schlag, der die produktiven Obstbäume enthält.

Wassermanagement, Wasserretention
Kanal im April angelegt,
21.5.2019, Überschusswasser von Feld und Weg fließt zum ersten Mal

Wassermanagement, Wasserretention
21.5.2019:
und weiter geht’s über 150m…

Wassermanagement, Wasserretention
15.1.2020:
Im Januar und Februar 2020 hat der Kanal viel Wasser transportiert. Bei den Apfelbäumen angekommen wird es auf vier Baumreihen verteilt. Wir werden sehen, ob es was bringt.

2020 habe ich noch einen Kanal in der Mitte des Geländes für die restlichen Reihen angelegt. Da ich mittlerweile die Erfahrung gemacht habe, dass die Gräben weniger verunkrauten und dadurch weniger Pflege benötigen, wenn sie durch hohes Gras beschattet werden, gibt es kein Bildmaterial.

2021 habe ich zwei Retentionsteiche zur Versickerung angelegt: Einen ungefähr auf halber „Höhe“ meines Grundstücks und einen ganz unten, am tiefsten Punkt. Alle haben mir prophezeit, dass der obere kein Wasser führen wird, maximal komme unten etwas zusammen. Von wegen. Gemäß der Permakulturrichtlinien, dass Grundwasserbestände von oben nach unten wieder hergestellt werden müssen, führt der obere Teich auch im Juli 22 noch Wasser, während der untere nicht einmal im Winter Wasser am Boden hatte.

Der obere "Teich" im Juli. Der Wasserstand im Winter reichte über die oberste Stufe hinaus.
Der obere „Teich“ im Juli. Der Wasserstand im Winter reichte über die oberste Stufe hinaus.

Als nächstes plane ich eine breitere Wasserzuführung vom Entwässerungsgraben oberhalb meiner Plantage in Form eines 150m langen Grabens, 1m breit 50cm tief. Die ausgehobene Erde wird „hangabwärts“ (Steigungen habe ich kaum am Gelände) angehäuft.. Die schmalen Gräben haben sich als unpraktisch erwiesen, da sie zu schnell verlanden. Ich behalte sie jedoch da sie von Wildbienen besiedelt werden.

Schön wäre es, wenn die behördlichen Stellen zum Thema Wasser-Rückhalt Beratung leisten könnten und man die z.T. kostspieligen Erfahrungen als kleiner Landwirt nicht selbst sammeln müsste. Vielleicht tut sich da ja noch was. Falls sich jemand für meine Erfahrungen interessiert, bitte fragen, was ich weiß, gebe ich gerne weiter. Außerdem ist es in Franken und anderen Trockengebieten überlebenswichtig das wenige Wissen zum Thema Wasserretention zu bündeln, um hier endlich weiter zu kommen.

Die Realtität 2020, nach 5 Jahren zunehmender Trockenheit:

2020-entwaesserung-hagenbüchach

Bild 5 von 5

Dieser tiefe Entwässerungsgraben in einem versteppenden Landstrich ist definitiv ein heißer Kandidat für den Darwin-Award! Schöner Sterben! Er entwässert eine Kuppe mit Wäldchen (schaut natürlich nicht mehr frisch aus der Wald und etliche Äcker. Klar, der Boden der Äcker ist im Frühjahr schön trocken und man kann mit den größten und schönsten Schleppern reinfahren. Aber die verlorene Feuchtigkeit holt er nicht mehr rein.) Das Bild ist im Januar 2020 aufgenommen. Ein aktuelles folgt demnächst. Die Bäume der darbenden Streuobstwiese schauen auch im Sommer nicht viel besser aus. Diese Gegend so stark zu entwässern obwohl sie auf dem direkten Weg zur Versteppung/Verwüstung ist, ist kriminell.

Die Realität ist 2022 immer noch maximale Entwässerung. Auch in neu gebauten Wasserrückhaltebecken ist der Abfluss immer am tiefsten Punkt, es wird nicht mal der Versuch unternommen, wenigstens etwas Wasser zurück zuhalten und dem Boden zuzuführen!

Fazit: Wir in Mittelfranken haben mit etwas Glück 500mm Niederschlag im Jahr. Wir führen geradezu manisch jeden Millimeter Wasser in teuren Grabenanlagen ab. Franken verantwortet innerhalb Bayerns die am stärksten versiegelten Gemeinden. Das heißt, dass wir im Winter, wenn der Hauptniederschlag fällt, diese sowieso schon geringe Niederschlagsmenge um eine uns UNbekannte Menge an Litern verringern: Durch Wegführen jeden Millimeters Niederschlag, der nicht schnell genug im Boden versickert und durch Verhinderung der Versickerung durch Versiegeln der Böden. Von den sowieso schon mickrigen 500mm, die bei uns runterkommen, kommt also nicht mal jeder Tropfen im Untergrund an. Niemand an den verantwortlichen Stellen (Wasserwirtschaftsamt, Umweltministerium, das ist für dieses unangepasste Wasserwirtschaftsgesetz, das diese Gräben zu verantworten, ursächlich!) konnte mir sagen, wieviel Niederschlag wir dadurch verlieren! Es gibt keine validierte Daten dazu. Das ist doch vollkommen irrational! Trotzdem wird daran festgehalten, auch wenn wir unser Land dadurch in Wüste verwandeln! Fast der gesamte Sommerniederschlag fließt ungenutzt ab! Nirgendwo kann Wasser so lange stehen, dass es versickern kann. Dank Gräben!